Bündnertäler
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Das Rheintal, Domleschg, Misox und Puschlav

Nebst den Herrschäftlern geraten die Weine der Täler in Vergessenheit. Das Wärmste Weinbaugebiet der Schweiz ist das Bündner Rheintal hier wachsen mitunter hervorrgagende Blauburgunder welche es mit den besten Gewächsen in der ganzen Schweiz aufnehmen können. Leider sind diese selten über die Dorfgrenzen hinaus bekannt. Der höchst gelegene Weinberg finden wir im Domleschg auf 800 Meter über Meer. In der Weinbaugeografie wird südlich vom San Berandino das Misox ,  Malojapass das Bergell und Breninapass das Puschlav bereits zum Kanton Tessin gezählt.

Bündner Rheintal

Igis Oberhalb des Dorfkerns von Igis, auf  halbem Weg zwischen dem Schloss Marschlins und Zizers, liegt der Zinken-Wingert. Mit seinen 47 Aren ist er der kleine Rest einer früher ausgedehnteren Rebfläche. Um 1800 wurde in Igis auf 13 Hektaren Reben angepflanzt. Seit 1980 bewirtschaftet das Weinhaus Cottinelli in Malans den Zinken-Wingert. Sie keltern aus den Blauburgunder-Trauben den Igiser Falkenstein. Der Wein wird nach der Ruine Falkenstein, welche drei Hundertmeter oberhalb dem Wingert liegt, benannt.
Zizers liegt vielleicht ein wenig im Schatten der Herrschaft. Aber die Qualität der Wein aus der grössten Weinbaugemeinde ausserhalb der Bündnerherrschaft, stehen den Herrschäftlern in nichts nach. In Zizers war der Weinbau immer ein wichtiger Wirtschaftszweig. In einem Strafgesetz aus dem Jahre 800 steht, dass das Rebwerk an Sonntagen untersagt istZizers. Damals wuchs in den Weinbergen weisses Gewächs, das eher den Durst gelöscht haben wird, als dass es zum Genuss gereichte. Um 1800 wurde in "Mannschnitz" gerechnet. Ein "Mannschnitz" entspricht 4,41 Aren: das bedeutet, "eines Mannes Abschnitt", also soviel Reben, wie er in einem Tag schneiden kann. Heute beträgt die Anbaufläche ca. 31 Hektaren. Diese werden von 47 Winzern bewirtschaftet, teils zum Nebenerwerb und teils auch als Haupterwerb. Die Haupttraubensorte Blauburgunder wächst auf 27 Hektaren. Müller-Thurgau und die Spezialitäten Grauburgunder, Gewürztraminer und Chardonnay teilen sich den Rest der Rebfläche. Die alte weisse Sorte Elbling wird im gemischten Satz mit dem Blauburgunder als ein Zizerser- Schiller gekeltert.
Trimmis Wie in den anderen Weinbaugemeinden im Kantongraubünden hat auch Trimmis sehr lange Weinbautradition. Im ältesten Weinberg wachsen heute noch Reben, laut einer Urkunde existiert dieser schon seit 814. In den späten sechziger Jahren entwickelte sich das Bauerndorf zur Vorortgemeinde von Chur. Heute bewirtschaften 24 Rebenbesitzer ca. 12 Hektaren Rebfläche. Rund ein Viertel der Rebfläche gehört dem Bistum Chur. Selbstkelterer sind in Trimmis kaum zu finden. 75 Prozent der Ernte werden von Weinkellerein aufgekauft und verarbeitet. Molinär und Costams sind bekannte Lagen in Trimmis. Angebaut wir vorwiegend Blauburgunder.


Chur Römische Legionäre brachten Trauben und Rebstöcke mit nach Chur. Bis ende des 19. Jahrhunderts dehnten sich rund um Chur die Weinberge auf etwa 100 Hektaren aus. Heute ist die Rebfläche auf knappe 10 Hektaren zusammengeschrumpft. Auch hier besitzt das Bistum Chur zirka ein Viertel der Rebfläche. In den 42 Torkel, welche es einmal in Chur gab, wurde vor allem Schiller gekeltert. Schiller ist heute noch eine Churer Spezialität. Er wird allerdings auch in anderen Weinbaudörfern gekeltert. Die Weine des Bischtums werden heute vom Weinhaus Cotinelli in Malans gekeltert.

NEUBRUCHTORKEL 1604 bis 2004 ist heute das  WEINBAUMUSEUM CHUR

Chur
Im Neubruchtorkel steht die grösste Baumpresse der Ostschweiz. Dieser Torkel wurde 1604 erbaut und bis 1962 wurde hier noch Trauben gepresst. Seit 1971 befindet sich dieses eindrückliche Zeugnis einer jahrtausend alten Rebbaukultur im Besitz der Stadt Chur. Bis zum Jahre 1962 wurden in diesem Torkel mit seiner grössten Baumpresse (Torkelbaum 14.5 Meter) der Ostschweiz noch Trauben gepresst. Von 1985 bis 1987 wurde dieser Torkel saniert und als Weinbaumuseum eingerichtet.

Felsberg ist eine Wohngemeinde mit 1500 Einwohnern. Seit 1973 wird wieder Wein angebaut. Ausgrabungen beim Hintert-Wingert belegen, dass schon in der Steinzeit Menschen am Fuss des Calanda lebte. Der Weinbau hat schon seit dem 9. Jahrhundert Tradition. Anhand alter Mauern, Terrassen und Flurnamen lassen sich die früheren Weinberge aus machen. Im 18. Jahrhundert musste die Blüte des Rebbaus gewesen sein; jedenfalls berichten Zeitgenossen von rauschenden Winzerfesten.
Der Hintert-Wingert ist der einzige Rebberg auf der linken Seite des Bündner Rheins. Er ist auch der einzige Rebberg im Kanton, der genossenschaftlich betrieben wird. Gekeltert und vermarktet werden die Felsberger Weine durch die VOLG-Weinkellerei in Winterthur. Er umfasst 3,5 Hektaren, davon werden auf 2,5, Hektaren Müller-Thurgau "Goldene Sonne" und auf 1,3 Hektaren Blauburgunder "Glockengiesser" angebaut.

Domat / Ems La Vegna, der Weinberg an der Südostseite der Tuma Casté ist der südlichste und mit 20 Aren die kleinste Rotweinlage in Nordbünden, übrigens auch der einzige im rätoromanischen Sprachgebiet. Seit 1974 bewirtschaftet diesen Weinberg das Weinhandelshaus Killias und Keltert die Blauburgunder-Trauben in Maienfeld zur "Emser-Schlosshalde", dem ersten Rotwein am Rhein. Bonaduz rätoromanisch klingt auch der Wingert westlich des Dorfkerns von Bonaduz. Es ist der südlichste Weinberg auf der Alpennordseite. 1978 neu angelegt und 1980 erweitert wird diese Lage vom Gastwirt Josef Bieler zum Eigengebrauch gepflegt. Auf den 20 Aren wächst ein Müller-Thurgau.

Domleschger Tal


Bis Anfang des 20. Jahrunderts wurde in diesem Nord-Südtal Weinbau betrieben. Das Domleschg liegt zwischen Boden- und Comersee. Die milde Lage eignet sich wegen der geringen Niederschläge für den Anbau von Reben. Seit 1989 gibt es im Domlesch wieder ein Rebberg. Er gehöhrt zum Kurhaus Rotenbrunnen, oberhalb des Schlosses Rietberg. Im höchst gelegenen Rebberg von Graubünden 800 m. ü.M. werden Müller-Thurgau, Pinot gris, Blaburgunder und Léon Millot angebaut woraus dann der "Almenser Wyn" gekeltert wird. Leider kann man diese Weine nur an Ort, im Kurhaus geniessen.Unzählige Flurnamen im Tal weisen auf ein frühere Weinbautradition hin. Heute kämpfen verschiedene Initiatoren für den Wiederaufbau und Rebberg-Einzonungen. Ich wünsch diesen Domleschger Weinliebhaber viel Glück, dass der Kanton Ihre Vision bewilligt.

Misox, Puschlav und Bergell


In den beiden romantischen Tälern Puschlavund Bergell hat der Weinbau nur noch regionale Bedeutung die Weine werden vorwiegend zum Eigen- gebrauch gekeltert. Im Misox werden jedoch auf ca. 30 Hektaren vorwiegend Rotwein angebaut. Dies entspricht 7% der gesamten Weinbaufläche im Kanton Graubünden. In folgenden Gemeinden wir der Weinbau gepflegt: Cama, Grono, Leggia, Roveredo, San Vittore und Verdabbio. Politisch gehören die die beiden Täler zum Kanton Graubünden, der Weinbau wird jedoch stark vom Tessin geprägt. Wie im Tessin ist die Hauptsorte der Merlot, zu erwähnen ist noch der Bondola welcher ansonsten nur im Tessin angebaut wird. 
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