Grimentz die Heimat des Vin du Glacier (Gletscherwein)
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Vin du Glacier / Gletscherwein

Das Val d’Anniviers / Eifischtal  im Wallis und das Bischofsfass

NZZ Format ist immer wieder ein intressante Sendung. Nach dem Beitrag über den "vergessen" Sherry, wurde noch ein Porträt über den traditionsreichen Gletscherwein respektive über den Vin du Glacier gebracht.

Der Gletscherwein ist ein oxidativer Wein. Andere bekannte Weine mit oxidativen Geschmacksnoten sind: Sherry, Madeira, Portwein und Vin jaune du Jura.

Transvasage heisst diese Methode beim Gletscherwein und in Andalusien kennt man eine ähnliche Methode la solera beim Sherry. Das heisst, mann baut den Wein in hölzernen Behältern, die eine geringe Menge Sauerstoff in den Wein übergehen lassen, aus. In der Etude Ampélographique 1903 von A. Berget wurde bereits vom Vin du Glacier berichtet.

Eine Jahrhundert alte Tradition

Sie werden den Gletscherwein in keiner Ampelographie als Rebsortenbeschrieb finden. Es handelt sich um einen Wein welcher aus einer Lebensweise entstand. Um 1550 erwarben die die Bourgoisie und Bürgergemeineden vom Val d'Anniviers, im Tal (in der Umgebung von Siders) Obstgärten und Reben. Nun lebten die Familien je nach Jahreszeit auf der Alp oder im Tal. Dies war abhängig von den saisonalen Arbeiten der Landwirtschaft. Nach dem der Gärprozess in den Kellern von Siders abgeschlossen war, ende des Winters, brachte man den Wein in die nähe der Gletscher im Val d' Anniviers in die Fässer. Da die heute noch kaum zu findend Rebsorte Resi saure Weine ergab, erforderte dieser Wein eine lange Lagerung. Der traditionelle Vin du Glacier wird nie in Flaschen abgefüllt.

Die Reben l'uva raetica (der Resi oder französisch la rèze ist eine aus der Gegend von Verona stammende Rebsorte  von römischen Söldnern ins Wallis eingeführt wurde im Jahre 1903 sind noch fast 400 ha der Walliserrebflächen mit dieser  Weissweinsorte bestockt vorwiegend um Siders, um 1920 fallen bis auf wenige Stöcke des Resi der amerikanischen Reblaus phylloxera zum Opfer. Die übriggebliebenen pfropfte man auf amerikanische Unterlagen.

Aus der Notwendigkeit, Vorräte anzulegen, bauten früher die Bewohner des Val d'Anniviers auf Steinsockel errichtete Speicher aus Holz, um darin Getreide oder andereBischoofsfass Nahrungsmittel zu lagern.

 Den Wein brachten sie zur besseren Haltbarkeit in kühlen Kellern unter, die sich meist unter ihren Häusern befanden. Die Lagerung des Resi und später der Ermitage erfolgt in Fässern aus Lärchenholz, wobei der Wein eine ganz besondere Behandlung erfährt. Das Bischofsfass aus dem Jahre1886 existiert heute noch im Gemeinde-Keller.

Diese Kelterungsart ist wohl einzigartig in der Schweiz: Alljährlich bei der Ankunft des jungen Weines im Dorf nimmt der Kellermeister eine Transvasage vor, das heisst er ergänzt den Inhalt des ältesten Fasses mit dem Wein des nächstjüngeren. So kommt etwas Wein vom Fass aus dem Jahre 1988 in jenes von 1886, das seinerseits mit dem 1934-er ergänzt wird; mit dem Wein von 1969 wird wiederum das Fass von 1934 aufgefüllt, und gleichzeitig erhält der 1969-er etwas Wein von der neuen Ernte zugemischt. Diese uralte Weinbautradition ist im Val d'Anniviers bis zum heutigen Tag lebendig geblieben.

Seit kurzem erhielt der Glacier die AOC. In Siders ist mir das Château Ravire wo ein Glacier d'Anniviers gekeltert und in Flaschen  ab gefüllt wird.

Doch ist der original Glacier nur ein paar glücklichen vorenthalten, welche diesen Keller in Grimentz kennen. P.S. Ich hoffe, dass ich auch einmal ein Glas origianl Vin du Glacier verkosten darf.
Quelle: PTV NZZ  SFDRS 2 21.11.04
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